Bilder der Stadt Vinh/City of Vinh
2016, series of 5, collage of b/w archival pigment print,
adhesive foil and text, each 100 x 140 cm, framed.
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Bilder der Stadt Vinh/City of Vinh
2016, series of 5, collage of b/w archival pigment print,
adhesive foil and text, each 100 x 140 cm, framed.
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Bilder der Stadt Vinh/City of Vinh
2016, series of 5, collage of b/w archival pigment print,
adhesive foil and text, each 100 x 140 cm, framed.
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Bilder der Stadt Vinh/City of Vinh
2016, series of 5, collage of b/w archival pigment print,
adhesive foil and text, each 100 x 140 cm, framed.
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Bilder der Stadt Vinh/City of Vinh
2016, series of 5, collage of b/w archival pigment print,
adhesive foil and text, each 100 x 140 cm, framed.
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Der Białowieża-Wald ist der letzte Tiefland-Urwald Europas – ein etwa 900 Quadratkilometer großer Rest der einstigen paneuropäischen Wildnis, heute ein abgeschirmtes Schutzgebiet. Kein Holzeinschlag, keine Jagd, keine Menschen. Aber Warnschilder: denn seit dem 12. März 1999 durchzieht die Nato-Außengrenze diesen Urwald, und seit dem 1. Mai 2004 ist hier auch die Außengrenze der Europäischen Union. Die innere Schutzzone – laut UNESCO eine Area of outstanding natural beauty – ist also zweigeteilt, halb polnisch, halb weißrussisch. Entlang dieser inneren Grenze bin ich mit Ewa – Naturschutzwartin, Zoologin und humorvolle Zeitgenossin – gewandert. Irgendwann auf diesem Waldgang unterhielten wir uns darüber, was geschähe, wenn – obgleich doch ein Ding der Unmöglichkeit – unsere GPS-Empfänger und Mobiltelefone gleichzeitig ausfielen. Was wäre, wenn wir dann jede Orientierung verlören und uns verirrten? Wie überlebt man im Nirgendwo? Was tun, wenn wir am Ende nicht mehr wüssten, ob wir uns auf der „diktatorischen“ oder „demokratischen“ Seite des Waldes befänden? Ich gebe zu, wir hatten viel Spaß. Sven Johne, Białowieża, 13. Februar 2016.


Białowieża Forest / Belovezhskaya Pushcha is Europe’s last lowlands primeval forest—a large 900-square-kilometer remnant of what was once pan-European wilderness, today a protected nature reserve. No logging, no hunting, no people. But warning signs are present: since March 12, 1999, the outer boundary of NATO has run through this primeval forest, and since May 1, 2004, it has also marked the border of the European Union. The inner safety zone—according to UNESCO an “area of outstanding natural beauty”—is likewise divided in two: half Polish, half Belarusian. I hiked along this inner border with Ewa, a conservation officer, zoologist, and contemporary with a good sense of humor. Somewhere along this forest passage we discussed what would happen if—though an utter impossibility—our GPS receiver and mobile phones were to stop functioning at the same time. What would happen if we lost all sense of orientation and went astray? How does one survive in the middle of nowhere? What would happen if we ultimately no longer knew which side of the forest we were on, the “dictatorial” or the “democratic” side? I must admit that we had a great deal of fun. Sven Johne, Białowieża, February 13, 2016.



Area of outstanding natural Beauty 1
Section 197 D / Puszcza Białowieska / Белавежская пушча (Polen, Weißrussland)



„Man könnte vielleicht da vorn am Dachsbau eine einfache Drahtschlinge legen. Aber auch wenn er da tatsächlich reingeht, ist das Betäuben des Gefangenen wohl alles andere als einfach. Auf dem Schädel steht ein Knochenkamm, an dem eine zentimeterdicke Kaumuskulatur ansetzt. Und die federt den Schlag ab. Man kann also eine solche Kreatur nur mit exzessiver Gewalt betäuben, also mehrmals mit einer Holzkeule auf den Kopf schlagen. Wenn er dann betäubt ist, muss man einen Holzspeer durch die Schwarte in die Rippenbögen stecken. Das Fett wird die Wunde wahrscheinlich sofort schließen, deshalb den Speer drehen und mehrfach nachstechen. Man müsste versuchen, die Lunge zu treffen. Alles in allem keine schöne Sache.“


“Perhaps we could simply place a wire snare over there at the badger’s burrow. But even if he actually entered the trap, it would be anything but simple to stun the caught animal. There is a ridge of bone along the skull, connected to centimeter-thick chewing muscles. And this is what would cushion the blow. So it is only possible to stun such a creature with excessive use of force, such as clobbering it over the head with a wooden club. After it is unconscious, one would need to drive a wooden spear through the badger’s skin into the rib cage. The fat would probably close the wound immediately, which is why the spear would need to be turned and repeatedly driven home. One would have to try and puncture the lungs. All in all, definitely not an enjoyable task.”
Area of outstanding natural Beauty 2
Section 320 / Puszcza Białowieska / Белавежская пушча (Polen, Weißrussland)


„Was man hier gut findet, sind Frösche und Kröten. In den Auenwäldern ist im Sommer alles voll davon. Auch viele Erdkröten. Wahrscheinlich eine relativ leichte Beute, anpirschen und sanft erschlagen, nicht zu fest, damit das Fleisch nicht durch austretenden Organsaft in Mitleidenschaft gezogen wird. Bei Kröten nur mit Handschuhen die Haut abziehen, da gibt es manchmal hautreizende Sekrete. Dann die Bauchhaut aufschneiden und komplett ausweiden. Dann ab ins kochende Wasser oder in die Nähe der Glut. Aber nicht erschrecken, wenn der frisch Getötete im Kochwasser zu paddeln beginnt oder aus der Glut springt. Das sind nur Reflexe. Man kann vorher die Hüftknochen zerbrechen, dann ist Ruhe.“

“What’s easy to find here are frogs and toads. In summertime, the alluvial forests are simply filled with them. Lots of European toads as well. Probably relatively easy prey, stalked and gently slain, but not too harshly, so that the quality of the meat is not lessened by juice leaking from the organs. Skin should only be stripped off toads while wearing gloves since skin-irritating secretions may be present. Then the abdominal skin is cut open and the toad completely eviscerated before placing it in boiling water or near the coals of a fire. Be careful not to startle when the freshly killed quarry starts paddling in the boiling water or jumps out of the coals. Those are just reflexes. If you break the hip bone first, then all is fine.”
Area of outstanding natural Beauty 3
Section 260 D / Puszcza Białowieska / Белавежская пушча (Polen, Weißrussland)


„Große, also sättigende Vögel zu fangen und zu betäuben, ist wohl keine leichte Sache. Aber nehmen wir mal an, man fängt hier tatsächlich ein lahmes Rebhuhn, dann muss man es an den Füßen kopfüber halten, weil das Kreislaufsystem eines Vogels nun mal eine Hochleistungspumpe ist: Hängt er aber über Kopf, kommt zu viel Blut in den Schädel, und nach kurzer Zeit wird das Tier bewusstlos. Wenn das Rebhuhn flattert, kann es sein, dass die Gefäße im Hirn zerplatzen. Dann quellen die Augen hervor. Das muss man vermeiden, weil es schmerzhaft ist. Größere Vögel haben kurz vor dem Tod noch eine erhebliche Energie, sie reißen die Augen auf, strampeln und schreien. Das ist nichts für zartbesaitete Kreaturen.“

“It is no simple task to catch or stun large birds, ones that would make a good meal. But let’s assume that we’re actually able to catch a slow partridge, well, then we’d have to hold it headlong by its feet since a bird’s circulatory system is basically a high-performance pump: when upside down, too much blood runs into the head, rendering the bird unconscious in a very short time. If the partridge thrashes about, then maybe vessels are bursting in the brain. This causes the eyes to protrude. It’s better to avoid this since it causes pain. Larger birds experience a spurt of energy just before they die, opening their eyes, struggling, and squawking. Highly sensitive beings find this intolerable.”
Area of outstanding natural Beauty 4
Section 229 D / Puszcza Białowieska / Белавежская пушча (Polen, Weißrussland)



„Etwa acht Kilometer von hier ist ein Fluss, die Narewka. Man könnte das Ufer an den Überhängen abtasten, unter den Wurzeldächern sind meist kleine Höhlen, da könnten sich Fische verstecken. Wenn sie dort in der kalten Jahreszeit ruhen, werden sie wahrscheinlich nicht flüchten. Sie werden versuchen, sich weiter in ihren Schutzraum zurückzuziehen. Man muss mit gespreizten Fingern den Ausgang versperren, dann versucht man, einen Fisch zu greifen: gegen die Wand pressen und mit den Fingern die Kiemendeckel kräftig einpressen. Er wird ersticken. Dann den Fisch herausnehmen und ans Ufer schleudern. Aber Vorsicht: in diesen Höhlen verstecken sich auch gerne Wasserratten. Und Finger sind auch Fleisch.“

“About eight kilometers away there is a river called Narewka. You could explore the shore along the overhangs, for situated under the canopies of roots are usually small caves where fish might hide. When resting there during the cold season, they will probably not attempt to escape but instead retreat into their sanctuary. You have to block the exit with broadly spread fingers and then try to grab a fish: pressing it against the wall and then squeezing your fingers into the gill covers. It will suffocate. Then take it out and toss it onto the shore. Yet beware: water rats like to hide in these very caves. And fingers are also meat.”
Area of outstanding natural Beauty 5
Section 197 D / Puszcza Białowieska / Белавежская пушча (Polen, Weißrussland)



„Baumhörnchen sind ja im Allgemeinen sehr zutraulich, das kennt man ja auch aus den Parks in den Städten. Man könnte also versuchen, sie mit Nüssen, am besten mit Haselnüssen, anzulocken. Die Nüsse wie eine Straße auslegen, bis hin zur Hand. Jetzt braucht man Geduld und muss sich sehr ruhig verhalten. In der einen Hand eine Nuss, in der anderen eine Keule oder einen schweren Stock. Man muss schon ausgeholt haben und verharrt so. Wenn das Tier dann ganz nahe bei dir ist, wenn es also die Nuss aus der Hand nehmen will, schlägst du zu, kurz und kräftig. Das Tier wird sicher wegfliegen, man muss sofort hinterher und noch mal nachschlagen. Diese Methode hört sich brutal an, und sie ist es auch.“

“Tree squirrels are generally quite tame, as is clearly evident in city parks. So you could try to entice them with nuts, preferably using hazelnuts. The nuts should be laid out in a line extending all the way to your hand. Now you just need to be patient and very, very still. A nut in one hand and a club or a heavy stick in the other. The hand must be raised in wait for the blow. When the animal is very close to you, when it is ready to remove the nut from your hand, then you strike, quick and powerfully. The creature will surely run away, so you must follow it with another whack. This method sounds brutal, and it certainly is.”