Ostdeutsche Landschaften / East German Landscapes
2005, Series of 5, color photography,
screenprint on glass, each 60 x 80 cm, framed
Photo: Simon Vogel, Galerie Christian Nagel,
Cologne, 2006
1/4
Ostdeutsche Landschaften / East German Landscapes
Detail
2/4
Ostdeutsche Landschaften / East German Landscapes
Detail
3/4
Ostdeutsche Landschaften / East German Landscapes
Detail
4/4
(Landschaft bei Reichenbach, 09. 10. 2004)
„Ich habe mir das gut überlegt. Ich habe mich in der DDR nicht gewehrt, heute wehre ich mich“
, zitiert die Freie Presse am neunten Oktober 2004 den 44-Jährigen Kai-Uwe Knöfel, Hotelier aus Reichenbach. Knöfel behauptet seit einigen Jahren, Ministerpräsident des Landes Sachsen zu sein, und benutzt das sächsische Wappen im Briefkopf. Der als geistig völlig normal eingeschätzte Mann stand nun wegen Amtsanmaßung in Chemnitz vor Gericht. Der ehemalige Lehrer verlas hier nur eine kurze Erklärung: „Der Artikel 23 des Grundgesetzes wurde, wie Sie ja wissen, einen Monat vor dem Beitritt der DDR gestrichen. Somit gab es weder den Beitritt der DDR, noch gibt es die jetzige Bundesrepublik und ihre Länder. Ich wurde deshalb vor zwei Jahren von Kanzler Wolfgang Ebel zum kommissarischen Ministerpräsidenten ernannt. Dass Ihre Gesetze nicht rechtens sein können, wird Ihnen auch gern mein Justizminister bestätigen. Wir glauben, Ihr Richter wird irgendwann zu einer Freiheitsstrafe verurteilt werden. Heute ist die Utopie vom Vormittag die Wirklichkeit vom Nachmittag.“



(Countryside near Reichenbach, October 9, 2004)
On October 9th, 2004, the Freie Presse quoted the 44-year-old hotelier Kai-Uwe Knöfel from Reichenbach, “I really thought about it a lot. In the GDR I never stood up for myself. Today I am.” For several years Knöfel has claimed to be President of the Free State of Saxony and uses the Saxon coat of arms in his letterhead. Charged with impersonating a federal authority, the otherwise normal seeming man was now on trial in Chemnitz. The former teacher read aloud a short statement: “Article 23 of the Constitution was annulled—as you will remember—one month before the reunification with East Germany. Therefore, there was no such thing as the reunification, nor does the present republic and its states exist. As a result, two years ago Chancellor Wolfgang Ebel appointed me Deputy President. My current Attorney General will confirm that your laws cannot be constitutional. We believe your judge will sooner or later be sentenced to prison. Today, the utopian ideals of the morning are the reality of the afternoon.”
(Landschaft bei Liddow, 21. 10. 2004)
„Diesmal brannte die Brücke nach Liddow – offensichtlich, um Filmarbeiten an der ZDF-Vorabendserie Hallo Robbie zu verhindern“
, spekuliert die Ostsee-Zeitung am 21. Oktober 2004, „jetzt aber konnte endlich ein mutmaßlicher Feuerteufel gefasst werden.“ Der 44-jährige kaufmännische Angestellte aus Bergen wird nun auch noch mit weiteren Brandstiftungen in Verbindung gebracht, unter anderem mit dem Brand der Mehrzweckhalle Dranske, die seinerzeit als Lagerraum für die Sat1-Produktion „Ein Bayer auf Rügen“ genutzt wurde, und mit dem Brand des Ateliers des Rügener Malers Jörg Möser, der in „Bilderbuch Deutschland: Insel Rügen“ (ARD) portraitiert wurde. Im Haus des mutmaßlichen Täters wurde darüber hinaus eine Art Manifest gefunden, in dem sich der Mann zu seiner Motivation äußert: „Das alles hat nichts mehr mit mir zu tun. Auch wenn man gut konsumiert, kann man dahinvegetieren. Aber keiner ist so klein, als dass er nicht ein Licht anmachen könnte.“



(Countryside near Liddow, October 21, 2004)
“This time the bridge to Liddow was set on fire—apparently to hinder the filming of Hello Robbie, a ZDF TV series,”
speculated the Ostsee Zeitung on October 21, 2004. It continued, “but now a presumed pyromaniac has finally been arrested.” The man, a 44-year old salesman from Bergen, is also suspected of further acts of arson, including a fire at the multi-purpose hall in Dranske, which at the time was being used as a storage facility for the SAT-1 TV production A Bavarian in Rügen, and a fire at the Rügen studio of the local painter Jörg Möser, who was featured in Storybook Germany: The Island of Rügen, an ARD TV production. A kind of manifesto was subsequently found at the house of the suspect, in which he expressed his motivation: “None of this has anything to do with me anymore. But even if you are a good consumer, you can become a vegetable. But no one is so insignificant that he can’t light a light.”
(Landschaft bei Helbra, 08. 11. 2004)
„Zwangsvollstreckung in Helbra eskaliert: SEK überwältigt 52-Jährigen. Der Mann konnte die Raten für einen Kredit nicht zahlen. Gegen die Räumung des Hauses wehrte er sich mit Benzin, brennendem Kohleanzünder und verletzte schließlich zwei Beamte mit einer Motorkettensäge“
, so die Mitteldeutsche Zeitung am achten November 2004. Was für die Polizeipsychologen zunächst wie eine Kurzschlussreaktion aussah, stellte sich jedoch im Nachhinein offenbar als präzise geplante Aktion dar. Im Haus des militanten Wirtschaftswissenschaftlers fand man knappe Skizzen und kurze Handlungsanweisungen: „Es ist alles ganz einfach. Mit Benzin Gerichtsvollzieher übergießen, dann Kohleanzünder, sie sollen brennen. Dann: sie sollen anrücken mit ihren Autos, mit ihren Megaphonen, mit ihren Psychologen und schließlich ihren Ritterrüstungen und Gewehren. Ich werde die Kettensäge nehmen. Beim Aufstieg empfiehlt es sich, freundlich zu den Überholten zu sein, man begegnet ihnen beim Abstieg wieder. Was lange gärt, wird endlich Wut. Mit einem Vulkan ist nicht zu reden.“



(Countryside near Helbra, November 8, 2004)
“Foreclosure escalates in Helbra: SWAT team overpowers 52-year-old man unable to make payments on a loan. He resisted eviction with gasoline and flaming charcoal lighter fluid and eventually injured two policemen with a chainsaw,”
quotes the Mitteldeutsche Zeitung on November 8, 2004. What police psychologists initially regarded as spontaneous was afterwards found to have apparently been a precisely planned action. At the home of the militant economist authorities found rough sketches and brief instructions: “It’s all very easy. Pour gasoline on the marshals, then lighter fluid. They should burn. Then let them drive up with their cars, their megaphones, their psychologists, and finally with their armor and guns. I’ll use my chainsaw. On the way up it’s good to be friendly to the people you are passing, you’ll see them again on the way down. What simmers for a long time ultimately becomes rage. You don’t negotiate with a volcano.”