Wanderung durch die Lausitz / A Walk in Lusatia
2006, 5 diptychs each comprising 2 color photographs
(each 45 x 60 cm), framed; 5 texts under glass,
each 14 x 21 cm; 1 photocopy under glass,
29,7 x 42 cm; 2 texts under glass, 29,7 x 21 cm
Photo: Norbert Miguletz, Frankfurter Kunstverein,
Frankfurt, 2010
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1.) Im Frühjahr 2005 stieß ich im Internet zufällig auf das nebenstehende Foto. Ich recherchierte die Herkunft des Bildes – es erschien erstmals am 2. Mai 2002 in der Sächsischen Zeitung, Lokalteil Weißwasser, mit folgender Bildunterschrift: „Am Dienstagmorgen gegen sechs Uhr macht Schäfermeister Frank Neumann eine grausige Entdeckung: Auf einer Weide nahe der ehemaligen Kohlebahn bei Mühlrose liegen knapp 20 Schafe weit verstreut in der Wiese. Kein Anblick für zartbesaitete Mitmenschen. Den Tieren wurde die Kehle durchgebissen. Ein Schaf wurde fast komplett aufgefressen. Bei den gerissenen Schafen handelt es sich ausnahmslos um Muttertiere. Einige waren trächtig. Für die Beseitigung der Kadaver stellte die Gemeinde einen Traktor bereit.“ more

2.) Ich begann mich für den Fall zu interessieren und sichtete sämtliche Zeitungen der Region aus dieser Zeit: Am 3. Mai 2002 kamen in der Lausitzer Rundschau besorgte Einwohner von Mühlrose und Weißwasser zu Wort: „Ich habe bisher immer Futter für die Wildtiere in den nahen Wald gebracht. Jetzt traue ich mich nicht mehr dahin.“ Oder: „Ich werde meinem Enkelkind sagen, dass es abends nicht mehr allein unterwegs sein soll.“ Am 6. Mai 2002 „verschwinden drei Schafe im Wald“, und die Dresdner Morgenpost titelte: „Ganzes Dorf in Angst!“ Bild gab am selben Tag den Ratschlag: „Angreifer mit Gummigeschossen verjagen.“

3.) Im weiteren Verlauf meiner Recherchen fand ich eine Presseerklärung des Sächsischen Umweltministeriums vom 13. Juni 2001, deren Wortlaut nahezu unverändert am 14. Juni 2001 in der Lausitzer Rundschau wiedergegeben wurde: „In einem etwa 700 Quadratkilometer großen Gebiet, das sich von der polnischen Grenze bis nach Weißwasser erstreckt, hat sich offenbar ein Wolfsrudel angesiedelt. Die Elterntiere folgten einer alten Wolfsroute, die von Rumänien über Polen in die Lausitz führt.“ Einen Tag später meldete die Sächsische Zeitung: „1850 wurde in der Lausitz der letzte Wolf Deutschlands erlegt. Nach 150 Jahren kehren die nachtaktiven Tiere nun in ihr angestammtes Gebiet zurück.“

4.) Bei der Sichtung des gesamten Pressematerials fiel mir irgendwann auf, dass es bis heute keine Fotografie eines nachts streifenden deutschen Wolfes (Bild) gibt. Artikel werden meist mit Aufnahmen von in Gefangenschaft lebenden Tieren illustriert. Im Dezember 2005 erkundigte ich mich deshalb beim Wolfsbüro des Freistaats Sachsen – und in der Tat: die Bewegungen des Rudels, das Jagdverhalten der Tiere im Streifgebiet Lausitz, konnten bisher nur anhand von Spuren – Fährten, Losungen, Wildkadavern – rekonstruiert werden. Ebenso wenig existieren historische Fotografien streifender Wölfe, da die Tiere bereits ausgerottet waren, als sich die fotografische Technik etablierte.

5.) Ich war wie berauscht. Im Januar 2006 beschloss ich, entlang der Wolfsroute zu wandern. Ich las mich in die einschlägige Fachliteratur ein und ließ mir von einem Lausitzer Förster sogar das Fährtenlesen beibringen. Um die Tiere anzulocken, empfahl er mir, das Heulen der Wölfe zu imitieren.

6.) Ende Mai 2006 besorgte ich mir eine Infrarotkamera und startete am 12. Juni 2006 im Ort Podrosche an der polnischen Grenze. Nach fünf Nächten erreichte ich am 17. Juni den 80 Kilometer weiter westlich gelegenen Ort Zosel bei Weißwasser, wo sich mittlerweile ein zweites Rudel angesiedelt hatte.
Die Wolfsroute ist ein Sandweg, der fast ausnahmslos durch Kiefernforst und Birkenwälder führt. Ich startete immer mit Einbruch der Dunkelheit und orientierte mich dann durch den Sucher der Kamera. Das Ziel jeder Nacht legte ich laut Karte fest: meist eine Wegkreuzung, an der ein kleiner Ort oder wenigstens einzelne Gebäude eingezeichnet waren.

7.) Um es vorwegzunehmen: es war sehr ruhig im Wald. Auf den einzelnen Wanderungen sah ich nur Rehe, eine Wildschweinrotte und einen kleinen Fuchs. Dennoch machte ich eine seltsame Erfahrung: Immer dann, wenn ich den jeweiligen Zielort erreicht hatte, vernahm ich Geräusche im Dunkel. Ich fotografierte dann in diese Richtung – in der Hoffnung, später etwas in der Vergrößerung des Bildes entdecken zu können. Natürlich war es möglich, dass ich mir all das bloß einbildete, aber am nächsten Morgen fand ich – wie zum Beweis – genau dort die typischen, geschnürten Fährten der Wölfe. Ich gehe also heute davon aus, nur an diesen Orten den Tieren wirklich nahegekommen zu sein. Und es scheint mir, als hätten mich die Wölfe hier bereits erwartet. Um den Grund dafür heraus zu bekommen, habe ich mich im Nachhinein näher mit diesen Orten beschäftigt. less



1.) In the spring of 2005, I stumbled across this photograph on the internet. I did a little research and found out that it had first appeared in the Sächsische Zeitung on May 2, 2002, in the local section for the district of Weißwasser, with the following caption: “On Tuesday morning, at 6 am, shepherd Frank Neumann made a gruesome discovery—he found some twenty sheep lying scattered in a meadow near the former railway line next to Mühlrose. Not a sight for those with delicate constitutions. The animals’ throats had all been bitten through, and one of the sheep had been almost completely devoured. The sheep were all females; some of them were pregnant. The local authorities provided a tractor for the removal of the corpses.” more

2.) The case aroused my interest and I looked it up in all the regional newspapers appearing around that time. On May 3, 2002, anxious inhabitants of Mühlrose and Weißwasser spoke, “I always used to go and feed the wildlife in the woods around there. But now I wouldn’t dare.” Or, “I’m going to tell my grandson not to go out alone in the evening.” On May 6, 2002, “Three sheep disappear in the woods” and the Dresdner Morgenpost ran the headline “Whole Village in Terror!” On the same day, the newspaper Bild advised its readers to hunt down the attackers with rubber bullets.

3.) Continuing with my research, I found a press release by the Saxon Ministry of the Environment dated June 13, 2001, which was repeated more or less word for word on June 14 in the Lausitzer Rundschau, “It appears that a pack of wolves has settled in an area covering approximately 700 square kilometers, stretching from the Polish border to Weißwasser. The adult animals followed an old wolf route leading from Rumania through Poland into Lusatia.” One day later, the Sachsische Zeitung announced “The last wolf in Germany was killed in Lusatia in 1850. Now, 150 years later, these nocturnal animals have returned to their ancestral territory.”

4.) At some point while I was sifting through all these press clippings, I noticed that there was not a single photograph of a night-prowling German wolf (Bild). Newspaper articles were usually illustrated with pictures of animals living in captivity. So in December 2005 I made some inquiries at the Wolf Bureau of the Free State of Saxony. There it was officially confirmed that the movements of the pack of wolves and their hunting behavior in Lusatia had been reconstructed solely on the evidence of what the wolves had left behind: tracks, droppings, and the remains of their prey. Of course there are no historical photographs of wolves on the prowl, as the animals had been wiped out by the time photography was widely established.

5.) I was obsessed. In January 2006 I decided to walk along the wolves’ route. I read up on all the relevant literature and had a Lusatian forest ranger teach me how to read tracks. He advised me to imitate the wolves’ howl in order to attract the animals.

6.) In late May, 2006 I got myself an infrared camera. And on June 12, 2006 I started walking from the town of Podrosche on the Polish border. After walking for five nights, I reached Zosel near Weißwasser on June 17, eighty kilometers to the west, where in the meantime a second wolf pack had settled.
The wolf route is a sandy path, almost exclusively leading through pine forests and birch woods. I always began walking at dusk, using the viewfinder on the camera for orientation. With the help of a map, I picked my goal for each night, usually choosing a crossroads where there was a small settlement, or at least a few buildings.

7.) To get straight to the point: it was very quiet in the forest. On my nightly walks I saw nothing but deer, a herd of wild boar and a small fox. And yet I did have a rather strange experience: every time I reached my destination, I heard noises in the dark. I photographed into the general direction the sounds were coming from, hoping to discover something later when I enlarged the pictures. Of course, I could have imagined it all, but the next morning I always found—like some kind of proof—the typical laced wolf tracks in exactly the area I had photographed. Today I believe that I only came really close to the wolves at these places. They almost seem to have been waiting for me there. In an attempt to discover why, I retrospectively looked for more information about my five destinations. less
Reck (13. Juni 2006, etwa 00.30 Uhr)
Auf den ersten Blick muss dieser idyllische Ort inmitten des Waldes ganz gewöhnlich ausgesehen haben. Erst seine Vollkommenheit verriet ihn als Kulisse: es gab eine Schule, einen Dorfkrug und sogar eine kleine Fabrik. Reck, benannt nach Lysander Reck, Kommandant des nahe gelegenen Truppenübungsplatzes, wurde 1999 von der Bundeswehr als Übungsdorf für den Nahkampf errichtet. Nach einer Standortverlagerung im Jahr 2004 gab die Bundeswehr das Gelände aber wieder auf. Der Großteil der Sperrholzattrappen verfiel. Einige Häuser jedoch wurden von den Einwohnern der umliegenden Dörfer in Besitz genommen und zu soliden Schuppen ausgebaut. In einem stapeln sich heute Bündel von Birkenreisig und Brennholzscheite. An den Wänden hängen getrocknete Waldpilze und Kräuter. Im ehemaligen Amt werden Vogelfangnetze und verschiedene Tierfallen aufbewahrt. Die umgebaute Fabrik ähnelt einer mittelalterlichen Küche. Hier werden Dachse ausgekocht, um deren Fett zu gewinnen. Dachsfett wird anscheinend wieder als natürliches und preiswertes Mittel zur Behandlung von Neurodermitis und Rheuma verwendet.



Reck (June 13, 2006, around 12:30 am)
At first glance this idyllic town in the middle of the woods must have looked quite normal. But its very perfection gave it away as a ruse—there was a school, a village inn, even a small factory. Reck, named after Lysander Reck, who was the commander of a nearby military training area, was built by the army in 1999 as a training village for close combat. However, following troop relocations in 2004 the Federal Armed Forces abandoned the site. Most of the fake plywood buildings fell to pieces. But some of the houses were appropriated by the inhabitants of the surrounding villages and rebuilt into sturdy sheds. One of them is used to store bundles of birch twigs and firewood. Dried wild mushrooms and herbs hang from its walls. The old town hall is used to store bird-catching nets and various animal traps. The converted factory looks like a medieval kitchen. Here Badger carcasses are boiled down in order to render their fat. Badger fat has apparently been rediscovered as a natural and inexpensive treatment for eczema and rheumatism.
Trunke (14. Juni 2006, 01.10 Uhr)
Ein Jahr lang wurde geplant. Am 3. Mai 1992 war es dann endlich so weit: die Baumfällmaschine startete, die ersten Kiefern fielen, und der ehrenamtliche Bürgermeister des Nachbarortes sprach – unter dem Beifall der Anwesenden, die ihn aufgrund des Lärms nur schwer verstanden haben sollen – von der „verkehrsgünstigen Lage relativ nahe der B115 und den künftigen Märkten im Osten.“ Eine regionale Brauerei spendierte Freibier. Bis Ende 1994 sollte hier, an einer alten Militär-Tankstelle, das Gewerbegebiet Trunke entstehen. Innerhalb von nur einer Woche wurde dafür eine etwa fußballfeldgroße Schneise in den Wald geschlagen. Die Fläche wurde jedoch niemals erschlossen. Einzig ein Stromhäuschen und die Fundamente einer Kläranlage wurden gebaut, 1998 aber wieder abgerissen. Zurück blieb eine Bauerwartungsfläche, die nach Information der örtlichen Behörden auch noch längerfristig als solche erhalten wird. Junge Bäume und nachwachsende Sträucher werden regelmäßig entfernt. Ebenso blieb die Tankstelle, an deren Stelle 1993 eine Filiale des Dänischen Bettenlagers gebaut werden sollte. Unbekannte haben kürzlich die drei Zapfsäulen mit einem frischen Anstrich versehen.



Trunke (June 14, 2006, around 1:10 am)
The planning procedure took a whole year. Then, on May 3, 1992, the project finally got underway. The tree-cutting machine was started, the first pine trees crashed to the ground, and the honorary mayor of the neighboring village made a speech to an enthusiastic audience, who unfortunately couldn’t hear him very well because of all the noise. He spoke of “the convenient location close to route B115 and the future markets in the East.” A local brewery provided free beer. The Trunke business district was to be built here by the end of 1994, on the former site of a military filling station. Within a single week a clearing the size of a football field was cut into the woods to make way for the project. However, the site was never fully developed. Only a small electrical substation and the foundations of a sewage plant were ever actually built, and these were torn down again in 1998. All that was left was a construction-ready area, which, according to information provided by the local authorities, is to be kept ready for development on a long-term basis. Young trees and bushes are cut down regularly. The filling station, the site foreseen for a Danish Bed outlet planned for construction in 1993, is still there. Not long ago the three gas pumps were anonymously given a fresh coat of paint.
Forest Village (15. Juni 2006, etwa 02.00 Uhr)
Auf der Gemeindesitzung am 21. März 2001 beschlossen die 34 stimmberechtigten Einwohner Walddorfs die Umbenennung ihres Ortes in Forest Village. Über die Hälfte von ihnen hatte ein Jahr zuvor die Arbeit im Braunkohletagebau Nochten verloren und war seitdem auf der Suche nach einer neuen Existenzgrundlage. Forest Village sollte sie liefern: Westernstadt und Erlebnisgastronomie, Naturerlebnis und eigene Bisonherde. Innerhalb von zweieinhalb Jahren wurde der Ort vollkommen umgebaut – alles in Eigenleistung. Das Haus des Gemeindevorstehers wurde zum Sheriff-Haus, andere Häuser zum Candy-Shop oder zur Beer-Bar. Am 6. Oktober 2003 wurde feierlich das Southern Cross gehisst und Forest Village eröffnet. Der Ort wurde in der ersten Zeit viel besucht, es gab diverse Countrykonzerte, abends Lagerfeuer. Es soll sogar ein Goldschürfen im Dorfteich angeboten worden sein. Mittlerweile ist es im Ort aber wieder ruhiger geworden. Dennoch: die Einwohner sind – laut eigener Aussage – „noch immer im Fieber.“ Das geht so weit, dass sie Cowboyhüte tragen, selbst die alten Leute.



Forest Village (June 15, 2006, around 2:00 am)
On March 21, 2001, at a town council meeting in Walddorf (meaning village in the woods) the 34 voting-age village members passed a resolution to rename the town Forest Village. Over half of them had lost their jobs at the brown coal mine Nochten a year before and since then had been looking for a new source of income. Forest Village—a Western-style village and gastronomic experience, and a nature reserve with its own herd of bison—was going to deliver just that. Over the next two and a half years the villagers themselves completely reconstructed the village. The house of the district councilor became the sheriff’s house; other buildings were made into candy shops or beer bars. On October 6, 2003, the Southern Cross was ceremoniously hoisted and Forest Village was officially opened. In the beginning it attracted many visitors. There were various country music concerts and campfires in the evenings. Supposedly, there was even a sifting-for-gold session in the village pond. Lately the place is quieter again. But the inhabitants say that they are still “totally into it.” So much so that they go around wearing cowboy hats, even the senior citizens.
Vierechen (15./16. Juni 2006, um Mitternacht)
Die letzten elf Beschäftigten des Baustoffwerks Vierechen waren im April 2004 damit beauftragt, eine Delegation russischer Arbeiter und Ingenieure mit allen Bereichen der Produktion vertraut zu machen. Dann wurden gemeinsam alle Maschinen demontiert, verpackt und auf die bereitgestellten Sattelzüge verladen. Vierechen wurde in die Nähe von Moskau verlagert – „zum zweiten Mal“, wie Einheimische scherzten –, schon 1946 gingen alle Maschinen als Kriegsentschädigung gen Osten. Bis 1944 wurden in Vierechen Ziegelsteine gebrannt. Zu DDR-Zeiten produzierte man hier Fertigbetonteile. 1991 wurde das marode Baustoffwerk von einem großen europäischen Produzenten für Porenbeton- und Kalksandstein gekauft und umfassend modernisiert. Im Frühjahr 2002 kam dann der Beschluss der Konzernleitung zur Produktionsverlagerung. Selbst die Leichtbauhalle wurde mitgenommen. In Vierechen ist heute nur noch ein Parkplatz zu finden. In den Sommermonaten sollen hier so genannte Betriebsversammlungen stattfinden. Das sind Grillfeste ehemaliger Arbeiter und Angestellter.



Vierechen (June 15/16, 2006, around midnight)
In April 2004 the last eleven employees of the building material plant Vierechen were requested to explain all areas of the production process to a delegation of Russian workers and engineers. Then they all worked together to dismantle the machines, packing them up and loading them onto waiting tractor-trailers. Vierechen was transferred to the outskirts of Moscow, “for the second time,” joked the locals—for in 1946 all the machines in the plant had been sent to the East as war reparations. Bricks were manufactured at Vierechen until 1944. And in the GDR era it was used for producing pre-fab concrete building parts. In 1991 the ailing building material plant was bought up by a large European producer of concrete and limestone and underwent a thorough modernization. In the spring of 2002 the management decided to relocate production. Even the lightweight hangar was taken away. In Vierechen today nothing remains but a parking lot. This is said to be used for so-called company meetings in the summer, the barbecue parties of former workers and employees.
Zosel (17. Juni 2006, 01.20 Uhr)
Vor Kurzem soll der Location Scout einer Filmproduktionsfirma in Zosel gewesen sein. Er sei, so die Einwohner des kleinen Ortes, auf der Suche nach einem Drehort für einen Kurzfilm gewesen, bei dem „die Bevölkerung eines ganzes Dorfes infolge einer geheimnisvollen Seuche über Nacht stirbt.“ Mehrfach habe der Mann versichert, dass der geplante Film kein journalistischer Beitrag, sondern „nur Kunst“ sein solle. Die Einwohner von Zosel willigten jedoch nicht ein, da man den Ort nicht als bloße Filmkulisse hergeben wollte. Immerhin leben noch 70 Menschen in Zosel. Dennoch stehen schon seit einiger Zeit die Häuser und Gehöfte eines ganzen Straßenzuges vollständig leer. Um Plünderungen zu unterbinden, bemühen sich die verbliebenen Einwohner darum, einen anderen Eindruck aufrechtzuerhalten: Vorgärten werden geharkt, Blumen gegossen, sogar Fenster wurden schon geputzt. Im Ministerium in Dresden überlegt man indes, wie mit vermehrt entstehenden Wüstungen umzugehen sei. Da der Abriss ganzer Ortschaften zu teuer werden würde, erwägt man, die Orte künftig der Natur zu überlassen.



Zosel (June 17, 2006, 1:20 am)
A location scout from a film production company is said to have visited Zosel not long ago. The inhabitants of the small village claim he was looking for a location to make a short film in which “the population of a whole village dies overnight as a result of a mysterious epidemic.” The man assured them many times that the planned film was not to be a documentary, but “purely art.” However, the inhabitants of Zosel refused his offer, not wishing to hand their village over to be used as a mere film set. After all, 70 people still live in Zosel, although all of the houses and farms in one of the streets have been completely abandoned. To prevent looting, the remaining inhabitants try to keep up appearances by tending the front gardens, watering the flowers, even cleaning the windows. In the meantime, the State Ministry in Dresden is considering what can be done with the increasing number of deserted towns. Since it would be too expensive to tear down whole villages, one possibility under consideration is leaving them to nature.